Zuviel zerbrochen!

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“Move fast and break things”, schnell vorwärts und Sachen kaputt machen, so lautet das berüchtigte Motto von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. Es war gut gemeint.

Nur ging dabei zu viel kaputt. Viel zu viel.

“Innovation ankurbeln” war das Motto der digitalen Pioniere, das durchbrechen von alten Mustern. Leider wurde dabei Verantwortungslosigkeit auf globaler Skala entfesselt: die Manipulationen unserer Demokratien mittels Facebook, Uber & Co verabschiedeten sich von allen Verpflichtungen als Arbeitgeber, Airbnb bläst die Mietpreise auf und verödet ganze Innenstädte — die Liste wird jeden Tag länger. 

Hier wirkt nicht “die Technologie”, das ist auch nicht einfach “der Markt”. Hier wirkt ein Hyperkapitalismus, der mit dem riesigen Hebel neuer Technologien immer grössere Gewinne für immer weniger Menschen schafft.

Whatsapp: 55 Mitarbeiter, 19 Milliarden Dollar. Hier wirkt aber auch ein fundamentales Versagen gängiger Politik. Den Staat so zu lenken, dass er bloss korrigierend im Nachhinein eingreift, Marktversagen repariert und ein wenig umverteilt, ist ein schwaches und unzureichendes Konzept. Es ist kein Staat mehr zu machen mit einer Politik, die hinter der Elefantenherde der Tech-Konzerne hinterher schlurft und deren Haufen aufwischt. Die Elefanten sind zu gross, zu schnell, zu schlau geworden, die Haufen zur verheerenden Flut.

Aber es geht auch anders. Ich glaube daran, dass wir den Kampf um die Seele des Informationszeitalters gewinnen müssen. Dass wir gemeinsame, sozial und demokratische Lösungen gestalten müssen. Dass die Antwort auf die technologische Beschleunigung nicht Aussteiger-Fantasien der Entschleunigung sein können, sondern dass wir stattdessen agiler und schneller die Kontrolle über das Steuer zurückgewinnen müssen. Weil es schneller besser werden muss - move fast and fix things. Weil neue Technologien mehr Möglichkeiten für mehr Menschen bringen müssen, weil “Innovation” sonst leere Neuheit bleibt, statt zu echtem Fortschritt wird für alle. 

Ich glaube daran, dass die Digitalisierung nicht undämmbare Flut sein muss, sondern etwas, das wir gemeinsam gestalten: Aktiv, nicht abwartend. Vorausschauend, nicht nur reagiernd. Sozial und demokratisch, innovativ und unternehmerisch und solidarisch. Progressiv.

Und genau dafür haben wir einen Plan.

Es beginnt mit kleinen Schritten, welche die öffentliche Hand digital stärken und das zu oft verlorene Vertrauen wieder aufbauen. Dazu gehört meine Idee der Swiss Innovation Fellows, dazu gehört mein Engagement für offene Behördendaten und für offene Software und für die digitale Zivilgesellschaft. Das sind kleine Schritte, aber sie weisen alle in die Richtung technologischer Selbstbestimmung

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Der Plan umfasst eine digitale Bildungsoffensive, damit mehr Menschen an einer inklusiven Avantgarde teilhaben können. Daran arbeite ich im Kleinen  bereits heute, mit unserer Programmierschule für Geflüchtete Powercoders. Er umfasst auch die Förderung neuer Organisations- und Arbeitsweisen, die dank neuen Mitteln Mitbestimmung möglich machen. Denn die haben wir bitter nötig, die besten Ideen kommen nunmal nicht nur von jenen mit den besten Titeln und Anzügen. 

Er beinhaltet aber ganz besonders ein neues Verständnis der Rolle des Staates in der Innovation. Bereits heute finanzieren staatliche Töpfe unheimlich viele und grosse Forschungs- und Entwicklungsprojekte, fast immer aber ohne Ziel und Zweck. Dass staatliche getragene Grundlagenforschung in der Medizin zu echtem gesundheitlichem Fortschritt führt, oder zu sinkenden Gesundheitskosten: manchmal, aber selten.

Dass Innovationsförderung das fördert, was uns alle weiterbringt: vielleicht hie und da aus Zufall. Wir müssen unsere grossen Anstrengungen an klare gesellschaftliche Missionen binden, dann ist unglaublich vieles möglich. Das ist der Gedanke auch hinter unserem Zürcher Zukunftsfonds, der Gedanke, dass wenn wir gemeinsam gezielt gesellschaftlich motiviert investieren, neue, bessere Märkte, neue und grössere Chancen entstehen können, für alle statt für wenige. 

Der Schweiz fehlt nicht das Geld dazu, es fehlen auch nicht Köpfe und Ideen, im Gegenteil. Es fehlt bislang allein der Wille und der Mut. Und das Verständnis: Wachstum geht bloss nach oben, Fortschritt aber hat eine klare Richtung.

Hannes GassertComment